Waltey
Krojač v nebesih
Grimmove pravljice · Jacob in Wilhelm GrimmO besedilu
Krojač v nebesih
- Vir
- Grimmove pravljice
- Avtor
- Jacob in Wilhelm Grimm
- Jezik branja
- English
- Jezik izvirnika
- Deutsch
- Čas branja
- 4 min branja
- Obseg
- 3 strani
- Naslov izvirnika
- Der Schneider im Himmel
O izvirniku
Grimmove pravljice
Gozdovi, čarobni predmeti in ljudska logika evropske pripovedne tradicije. Bralni jezik je English, izvirnik pa prihaja iz vira Grimmove pravljice v jeziku Deutsch.
Besedilo
Krojač v nebesih
It happened one fine day that the dear Lord wished to take a walk in the heavenly garden, and took all the apostles and saints with him, so that no one remained in heaven but Saint Peter. The Lord had commanded him to let no one in during his absence, so Peter stood guard at the gate. Before long, someone knocked. Peter asked who was there and what he wanted. “I am a poor, honest tailor,” answered a thin voice, “and I beg to be let in.” “Honest, indeed,” said Peter, “as a thief on the gallows! You have had light fingers and snipped bits off other people’s cloth. You shall not enter heaven. The Lord has forbidden me to let anyone in while he is away.” “Do have mercy,” cried the tailor. “Little scraps that fall off the table of their own accord are not stolen, and are not worth mentioning. Look, I am lame, and my feet are blistered from the journey here. I cannot possibly turn back. Only let me in, and I will do all the meanest work. I will carry the children, wash their nappies, scrub and wipe the benches where they have been playing, and mend their torn clothes.” Saint Peter was moved to pity and opened the gate of heaven just wide enough for the lame tailor to slip his scrawny body through. He was made to sit in a corner behind the door and told to stay there quietly, so that the Lord would not notice him on his return and grow angry. The tailor obeyed, but when Saint Peter happened to step outside, he got up and wandered inquisitively into every corner of heaven, looking about him. At last he came to a place where many beautiful and splendid chairs stood, and in their midst was a throne of solid gold, set with glittering jewels. It was much higher than the other chairs, and before it stood a golden footstool. This was the throne on which the Lord sat when he was at home, and from which he could see everything that happened on earth. The tailor stood still and gazed at it for a good while, for it pleased him more than anything else. At last he could no longer restrain his curiosity, so he climbed up and sat on the throne. Now he could see everything that happened on earth, and he noticed an ugly old woman standing by a stream, washing clothes and secretly putting two veils aside. The sight made the tailor so angry that he seized the golden footstool and hurled it down through heaven to earth at the old thief. But since he could not fetch the footstool back again, he slipped quietly down from the throne, returned to his place behind the door, and sat there looking as though butter would not melt in his mouth.
When the Lord and Master returned with his heavenly company, he did not notice the tailor behind the door, but when he sat down on his throne, the footstool was missing. He asked Saint Peter what had become of it, but Peter did not know. Then he asked whether he had let anyone in. “I know of no one who has been here,” Peter answered, “except a lame tailor, who is still sitting behind the door.” So the Lord had the tailor brought before him and asked whether he had taken the footstool, and where he had put it. “O Lord,” the tailor answered cheerfully, “in my anger I threw it down to earth at an old woman whom I saw stealing two veils from the wash.” “You rogue,” said the Lord, “if I judged as you judge, what do you think would have become of you long ago? I should long since have had no chairs, benches, or thrones left here, not even an oven fork, but would have thrown everything down at the sinners. You can no longer remain in heaven, but must go outside the gate again, and see where you can find a home. Here no one shall punish but I alone, the Lord.”
Peter had to lead the tailor out of heaven again, and since his shoes were torn and his feet covered in blisters, he took a staff in his hand and set off for Warteinweil, where the pious soldiers sit and make merry.
Izvirnik
Der Schneider im Himmel
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Ein Märchen der Brüder Grimm
Es trug sich zu, daß der liebe Gott an einem schönen Tag in dem himmlischen Garten sich ergehen wollte und alle Apostel und Heiligen mitnahm, also daß niemand mehr im Himmel blieb als der heilige Petrus. Der Herr hatte ihm befohlen, während seiner Abwesenheit niemand einzulassen, Petrus stand also an der Pforte und hielt Wache. Nicht lange, so klopfte jemand an. Petrus fragte, wer da wäre und was er wollte. "Ich bin ein armer ehrlicher Schneider", antwortete eine feine Stimme, "der um Einlaß bittet." "Ja, ehrlich", sagte Petrus, "wie der Dieb am Galgen, du hast lange Finger gemacht und den Leuten das Tuch abgezwickt. Du kommst nicht in den Himmel, der Herr hat mir verboten, solange er draußen wäre, irgend jemand einzulassen." "Seid doch barmherzig", rief der Schneider, "kleine Flicklappen, die von selbst vom Tisch herabfallen, sind nicht gestohlen und nicht der Rede wert. Seht, ich hinke und habe von dem Weg daher Blasen an den Füßen, ich kann unmöglich wieder umkehren. Laßt mich nur hinein, ich will alle schlechte Arbeit tun. Ich will die Kinder tragen, die Windeln waschen, die Bänke, darauf sie gespielt haben, säubern und abwischen und ihre zerrissenen Kleider flicken. " Der heilige Petrus ließ sich aus Mitleiden bewegen und öffnete dem lahmen Schneider die Himmelspforte so weit, daß er mit seinem dürren Leib hineinschlüpfen konnte. Er mußte sich in einen Winkel hinter die Türe setzen und sollte sich da still und ruhig verhalten, damit ihn der Herr, wenn er zurückkäme, nicht bemerkte und zornig würde. Der Schneider gehorchte, als aber der heilige Petrus einmal zur Türe hinaustrat, stand er auf, ging voll Neugierde in allen Winkeln des Himmels herum und besah sich die Gelegenheit. Endlich kam er zu einem Platz, da standen viele schöne und köstliche Stühle und in der Mitte ein ganz goldener Sessel, der mit glänzenden Edelsteinen besetzt war; er war auch viel höher als die übrigen Stühle, und ein goldener Fußschemel stand davor. Es war aber der Sessel, auf welchem der Herr saß, wenn er daheim war, und von welchem er alles sehen konnte, was auf Erden geschah. Der Schneider stand still und sah den Sessel eine gute Weile an, denn er gefiel ihm besser als alles andere. Endlich konnte er den Vorwitz nicht bezähmen, stieg hinauf und setzte sich in den Sessel. Da sah er alles, was auf Erden geschah, und bemerkte eine alte häßliche Frau, die an einem Bach stand und wusch und zwei Schleier heimlich beiseite tat. Der Schneider erzürnte sich bei diesem Anblicke so sehr, daß er den goldenen Fußschemel ergriff und durch den Himmel auf die Erde hinab nach der alten Diebin warf. Da er aber den Schemel nicht wieder heraufholen konnte, so schlich er sich sachte aus dem Sessel weg, setzte sich an seinen Platz hinter die Türe und tat, als ob er kein Wasser getrübt hätte.
Als der Herr und Meister mit dem himmlischen Gefolge wieder zurückkam, ward er zwar den Schneider hinter der Türe nicht gewahr, als er sich aber auf seinen Sessel setzte, mangelte der Schemel. Er fragte den heiligen Petrus, wo der Schemel hingekommen wäre, der wußte es nicht. Da fragte er weiter, ob er jemand hereingelassen hätte. "Ich weiß niemand", antwortete Petrus, "der dagewesen wäre, als ein lahmer Schneider, der noch hinter der Türe sitzt." Da ließ der Herr den Schneider vor sich treten und fragte ihn, ob er den Schemel weggenommen und wo er ihn hingetan hätte. "O Herr", antwortete der Schneider freudig, "ich habe ihn im Zorne hinab auf die Erde nach einem alten Weibe geworfen, das ich bei der Wäsche zwei Schleier stehlen sah." "O du Schalk", sprach der Herr, "wollt ich richten, wie du richtest, wie meinst du, daß es dir schon längst ergangen wäre? Ich hätte schon lange keine Stühle, Bänke, Sessel, ja keine Ofengabel mehr hier gehabt, sondern alles nach den Sündern hinabgeworfen. Fortan kannst du nicht mehr im Himmel bleiben, sondern mußt wieder hinaus vor das Tor: da sieh zu, wo du hinkommst. Hier soll niemand strafen denn ich allein, der Herr."
Petrus mußte den Schneider wieder hinaus vor den Himmel bringen, und weil er zerrissene Schuhe hatte und die Füße voll Blasen, nahm er einen Stock in die Hand und zog nach Warteinweil, wo die frommen Soldaten sitzen und sich lustig machen.
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