Waltey
Svetlo sonce vse razkrije
Grimmove pravljice · Jacob in Wilhelm GrimmO besedilu
Svetlo sonce vse razkrije
- Vir
- Grimmove pravljice
- Avtor
- Jacob in Wilhelm Grimm
- Jezik branja
- English
- Jezik izvirnika
- Deutsch
- Čas branja
- 3 min branja
- Obseg
- 3 strani
- Naslov izvirnika
- Die klare Sonne bringts an den Tag
O izvirniku
Grimmove pravljice
Gozdovi, čarobni predmeti in ljudska logika evropske pripovedne tradicije. Bralni jezik je English, izvirnik pa prihaja iz vira Grimmove pravljice v jeziku Deutsch.
Besedilo
Svetlo sonce vse razkrije
A journeyman tailor was traveling the world in search of work at his trade, and once, when he could find none, he fell into such poverty that he had not a farthing to pay his way. At that time he met a Jew on the road, and, thinking the man must have a great deal of money about him, he cast God out of his heart, went up to him, and said, “Give me your money, or I’ll kill you.” The Jew said, “Only spare my life. I have no money beyond eight farthings.” But the tailor said, “You do have money, and you shall hand it over,” and he set upon him and beat him until he was near death. As the Jew lay dying, he spoke these last words: “The bright sun will bring it to light!” And with that he died. The journeyman tailor reached into his pocket and searched for money, but found no more than the eight farthings, just as the Jew had said. Then he lifted him up, carried him behind a bush, and went on his way in search of work. After traveling for a long time, he came to a town and found employment with a master tailor who had a beautiful daughter. He fell in love with her and married her, and they lived happily together.
After a long while, when they already had two children, his father-in-law and mother-in-law died, and the young couple had the household to themselves. One morning, as the husband sat on his worktable by the window, his wife brought him his coffee. He poured it into the saucer and was just about to drink when the sun shone upon it, and the reflection flickered to and fro high on the wall, making rings of light. The tailor looked up and said, “Yes, it would dearly like to bring it to light, but it cannot!” His wife said, “Why, dear husband, what is that? What do you mean?” He answered, “I must not tell you.” But she said, “If you love me, you must tell me,” and coaxed him with the sweetest words, promising that no one else would ever hear of it, and gave him no peace. Then he told her how, many years before, when he had been wandering about in rags and without a penny, he had killed a Jew, and how the Jew, in his dying agony, had said, “The bright sun will bring it to light!” Now the sun had wanted to bring it to light, and had flickered on the wall and made rings there, but it had not been able to. Afterward he begged her most earnestly not to tell anyone, or it would cost him his life, and she promised him she would not. But once he had settled down to work, she went to her gossip and confided the story to her, saying she must not repeat it to a living soul. Before three days had passed, however, the whole town knew, and the tailor was brought to trial and put to death. So the bright sun did bring it to light after all.
Izvirnik
Die klare Sonne bringts an den Tag
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Ein Märchen der Brüder Grimm
Ein Schneidergesell reiste in der Welt auf sein Handwerk herum, und konnte er einmal keine Arbeit finden, und war die Armut bei ihm so groß, daß er keinen Heller Zehrgeld hatte. In der Zeit begegnete ihm auf dem Weg ein Jude, und da dachte er, der hätte viel Geld bei sich, und stieß Gott aus seinem Herzen, ging auf ihn los und sprach 'gib mir dein Geld, oder ich schlag dich tot.' Da sagte der Jude 'schenkt mir doch das Leben, Geld hab ich keins und nicht mehr als acht Heller.' Der Schneider aber sprach 'du hast doch Geld, und das soll auch heraus,' brauchte Gewalt und schlug ihn so lange, bis er nah am Tod war. Und wie der Jude nun sterben wollte, sprach er das letzte Wort 'die klare Sonne wird es an den Tag bringen!, und starb damit. Der Schneidergesell griff ihm in die Tasche und suchte nach Geld, er fand aber nicht mehr als die acht Heller, wie der Jude gesagt hatte. Da packte er ihn auf, trug ihn hinter einen Busch und zog weiter auf sein Handwerk. Wie er nun lange Zeit gereist war, kam er in eine Stadt bei einem Meister in Arbeit, der hatte eine schöne Tochter, in die verliebte er sich und heiratete sie und lebte in einer guten vergnügten Ehe.
Über lang, als sie schon zwei Kinder hatten, starben Schwiegervater und Schwiegermutter, und die jungen Leute hatten den Haushalt allein. Eines Morgens, wie der Mann auf dem Tisch vor dem Fenster saß, brachte ihm die Frau den Kaffee, und als er ihn in die Unterschale ausgegossen hatte und eben trinken wollte, da schien die Sonne darauf, und der Widerschein blinkte oben an der Wand so hin und her und machte Kringel daran. Da sah der Schneider hinauf und sprach 'ja, die wills gern an den Tag bringen und kanns nicht!' Die Frau sprach 'ei, lieber Mann, was ist denn das? was meinst du damit?' Er antwortete 'das darf ich dir nicht sagen.' Sie aber sprach 'wenn du mich lieb hast, mußt du mirs sagen,' und gab ihm die allerbesten Worte, es sollts kein Mensch wieder erfahren, und ließ ihm keine Ruhe. Da erzählte er, vor langen Jahren, wie er auf der Wanderschaft ganz abgerissen und ohne Geld gewesen, habe er einen Juden erschlagen, und der Jude habe in der letzten Todesangst die Worte gesprochen 'die klare Sonne wirds an den Tag bringen!' Nun hätts die Sonne eben gern an den Tag bringen wollen, und hätt an der Wand geblinkt und Kringel gemacht, sie hätts aber nicht gekonnt. Danach bat er sie noch besonders, sie dürfte es niemand sagen, sonst käm er um sein Leben, das versprach sie auch. Als er sich aber zur Arbeit gesetzt hatte, ging sie zu ihrer Gevatterin und vertraute ihr die Geschichte, sie dürfte sie aber keinem Menschen wiedersagen; ehe aber drei Tage vergingen, wußte es die ganze Stadt, und der Schneider kam vor das Gericht und ward gerichtet. Da brachte es doch die klare Sonne an den Tag.
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